Auch im „Alter“ offen für Neues

07.01.10 11:41

Arbeitsmarkt | Die Arbeiterwohlfahrt Sonneberg/Neuhaus gGmbH wurde für die Beschäftigung Älterer als „Unternehmen mit Weitblick“ ausgezeichnet


Petra Dobenecker, Renate Röther sowie Daniela Hempel vom Arbeitgeberservice Sonneberg (v. l. n. r.).


Neuhaus/Ernstthal – Was macht man, wenn man nicht mehr 30 ist und den Arbeitplatz verliert? „Weiter am Ball bleiben“, sagt Renate Röther zu dieser Situation. Nachdem sie vor gut zwei Jahren bei Märklin ihren Arbeitsplatz verloren hatte, verschickte sie an die 150 Bewerbungen. „Als das nichts brachte, war mir klar, dass ich mich den neuen Marktbedingungen anpassen muss“, erklärt sie. Eine Stellenanzeige in der Tageszeitung Freies Wort machte Renate Röther auf den Arbeitsplatz Pflege aufmerksam. Nach einer Vorstellung im Unternehmen und einem Gespräch mit ihrer Vermittlerin fiel die Entscheidung, sich zur Pflegehelferin umzuschulen. „Diesen Beruf hätte ich auch schon eher ausüben können“, sagt Renate Röther heute. „Er macht mir Freude, weil ich diese auch ständig von meinen Betreuten zurückbekomme“, bestätigt die 56-Jährige. Seit September 2009 ist Renate Röther unbefristet bei der AWO tätig. Die Arbeiterwohlfahrt Sonneberg/ Neuhaus ist ein besonderes Unternehmen. „Wir haben von 320 Mitarbeitern gut 30 Prozent ältere Arbeitskräfte“, erklärt Petra Dobenecker, Geschäftsbereichsleiterin Pflege. „Ältere Arbeitnehmer haben nicht nur Motivation und Verständnis, sondern auch bei den Pflegepersonen die Akzeptanz. Wir suchen seit 1991 bei Bedarf auch immer ausreichend ältere Kräfte und haben verschiedene Beschäftigungs- und Altersteilzeitmodelle“, bestätigt die Leiterin. „Diese Einstellung wurde kürzlich gewürdigt“, erfuhr FreiesWort von Frank Fleischmann. „Das Unternehmen wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Perspektive ,50plus‘ als Unternehmen mit Weitblick ausgezeichnet“, so der Pressesprecher bei der Agentur für Arbeit Suhl. Auch mit dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der ARGE arbeitetm die AWO eng zusammen. „Egal, um wen es geht – wir haben einen schnellen Draht zu Agentur und ARGE“, sagt Dobenecker und nickt. „Offenheit bei der Berufswahl gilt nicht nur bei der Ausbildungsstellensuche“, kommentiert Beatrice Köpke, die Geschäftsführerin operativ. „Ob jung oder älter, man darf sich, wenn es um die berufliche Zukunft geht, nicht nur auf eine Auswahl beschränken. Dienstleistung und Pflege stellen eine stetig wachsende Branche dar, die Perspektiven aufzeigt. Man muss sich nur öffnen“, appelliert Köpke an alle Arbeitssuchenden. Die Zahl arbeitsloser Älterer (von 50 bis 65 Jahren) ist in Südthüringen im Vorjahresvergleich um 581 bzw. neun Prozent auf 7045 gestiegen. Besonders stark sind hiervon die 55- bis 65-Jährigen betroffen. Hier betrug der Anstieg 677 beziehungsweise 19,4 Prozent auf 4168. Mit 39,9 Prozent besonders hoch ist deren Anteil im Zuständigkeitsbereich der Geschäftsstelle Neuhaus. In Sonneberg beträgt der Anteil 34,2 Prozent. rs

Freies Wort vom 07.01.2010



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